Moderne Kunst in der Osterfeldkirche

Der Christus in der Osterfeldkirche

Wissen Sie schon, dass der Christus in der Osterfeldkirche gar keine Kreuz-Darstellung sein will? Die Bronzeplastik von Ingrid Seddig aus Korb zeigt den auferstandenen Christus mit überdimensional langen, segnenden Armen. Im Hintergrund des aufgebrochene Grab, oder auch die Ostersonne, Zeichen des Sieges über den Tod. Mit seinen Augen schaut der Auferstandene schon die Herrlichkeit der himmlischen Welt, aber die Arme zeigen, dass er seinem Betrachter ganz zugewandt ist. Das erinnert an Eltern, die im Spiel die Arme weit ausgebreitet haben, damit ihre kleinen Kinder sich voller Freude hineinfallen lassen können

So breitet Christus seine Arme aus, dass wir uns hineinbergen können. Als der Auferstandene bleibt er jedoch auch der Gekreuzigte, der uns Menschen in unseren Leiden und Nöten und Krankheiten nahe ist. So verschränken sich in dieser Darstellung Karfreitag und Ostern, Kreuz und Auferstehung.

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

Die Christusplastik wurde von der Künstlerin Ingrid Sedding, Korb geschaffen.

Ingrid Sedding wurde 1926 in Vietkow (Kreis Stolp) geboren. Nach entbehrungsreichen Nachkriegsjahren wurde sie als Bildhauerin in der Bildhauerschule Biedenkopf und während des Studiums in Salzburg ausgebildet. Der größte Teil ihres intensiven Schaffens ist im Raum Stuttgart zu erleben. Hier schuf sie in skralen und kommunalen Bereich Werke von großer Bedeutung.

 

 

 

Das Fensterband "Die Schöpfung"

 

 

 

 

Am Anfang war das Wort

 

 

 

 

 

Mit diesem Bild beginnt das zweite Fensterband vom Stuttgarter Künstler Reinmar Senftleben.

 

Es begann mit einem Konfirmandenelternbesuch im März 1993. Damals bereitete Familie Kiesel die Konfirmation ihrer ältesten Tocher vor. Ich komme vorbei. Mir wird ein Herr namens Senftleben vorgestellt. Im Lauf des Gesprächs sagt Herr Kiesel sinngemäß: Ich war dieses Jahr ja manchmal in der Osterfeldkirche. Da dachte ich, in eine Kirche gehören farbige Fenster. Deswegen haben meine Frau und ich überlegt, dass wir für die Osterfeldkirche Fenster stiften. Herr Senftleben ist Esslinger Künstler. Er hat sich dazu schon einige Gedanken gemacht. So kam ich an jenem Abend mit einem großen Geschenk nach Hause. Das südwestliche Fensterband im Kirchenraum wird farbig gestaltet. Herr Senftleben machte sich an die Arbeit. Es gelang im überzeugend, für die vorgegebene Gliederung der Fenster einen einheitlichen Entwurf vorzulegen.Leitgedanke war das Thema Erlösung mit Kreuz und Auferstehung in der Mitte. Am 27. Februar 1994 wurde das Fensterband "Weg des Heils" eingeweiht. Seitdem sind diese Fenster eine Bereichrung für den Gottesdienstraum. Besonders schön ist es, wenn die Sonne durch sie hindurch scheint und das Spiel der Farben zu sehen ist. Allerdings geschieht das erst am Mittag. So gab es bald den Wunsch, dass auch die Fenster farbig gestaltet werden, durch die zur Gottesdienstzeit das Sonnenlicht fällt,. Wieder ging die Initiative von der Familie Kiesel aus. Der gleiche Künstler wurde gebeten, hier das Thema Schöpfung darzustellen. Schnell hatte Herr Senftleben die ersten Ideen. Schon 1997 legte er sie dem Kirchengemeinderat vor. Aber dann zeigte sich, dass künstlerische Prozesse manchmal eine lange Reifezeit brauchen. Schließlich fand Reinmar Sentleben doch den Schlüsssel zur Lösung der Aufgabe. Der 27. Februar 2004 ist für ihn der entscheidende Termin. Im Juni war der der Entwurf fertig. In seiner Formsprache war ihm eine beeindruckende Darstellung des alten Textes gelungen, stellten Kirchengemeinderäte und Stifter fest. Dann folgte die technische Umsetzung durch die Firma V. Saile, Atelier für Glasgestaltung, Stuttgart. Ab 27. Februar 2005 schmückt dieses zweite Fensterband die Osterfeldkirche in Berkheim. In der Festschrift dominieren die Fenster und der dazugehörige Bibeltext. Nur wenige Themen akzentuiert das Redaktionsteam des Gemeindebriefes Februar 2005. Die Verbindung von Altem und Neuem, von Erstem und Zweitem Testament in der Bibel, die im ersten Fenster angedeutet wird und nochmals zu betonen ist, wenn es um die Erschaffung der Menschen geht (Fenster 14); das Thema Chaos und Ordnung, besonder deutlich am zweiten Tag (Fenster 3) und das große Thema der Ruhe des Schöpfers, die im Gottesdienst ihren Widerhall findet (Fenster 17 und 17).

(Text Günter Wagner)

2. Tag

Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern, die da scheide zwischen den Wassern. Und Gott nannte die Feste Himmel. Da ward aus Abend und Morgen der zweite Tag.

3. Tag

Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Orte, dass man das Trockene sehe. Und es geschah so. Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung der Wasser nannte er Meer: Und Gott sah, dass es gut war. 

 

 

 

 

 

 

  

Das gesamte Fensterband und der ganze Bibeltext ist im Gemeindebrief Februar 2005 abgedruckt.

Weg des Heils - das süd-westliche Fensterband in der Osterfeldkirche

Ich bin das A und das O, der da ist und der da war und der da kommt, (Off.1,8)

Visionen des Zukünftigen

"Ich bin der Anfang und das Ende". Das Fenster-Fries in der Osterfeldkirche schlägt einen Bogen von der vortestamentarischen Zeit über Altes und Neues Testament bis hinein in eine visionäre Zukunft. In innovativen, ausdrucks-starken Bildern entwickelt der Esslinger Künstler Reinmar Senftleben über das Reflektieren des Vergangenen einen Blick auf das Kommende, geht er seinen Weg vom Gestern über das Heute hinein in das Morgen. Wenngleich Größe, Format und Anordnung der Fensteröffnungen durch die Architektur vorgegeben sind, so läßt Reinmar Senftleben die schmale, langgezogene Bilder-Zeile nicht in Einzelmotive zerfallen - das Bilder-Band steht für das Ineinandergreifende, das Fortschreitende, das sich Entwickelnde in der Glaubensgeschichte und im Lauf von Welt und Zeit.

Die Verdichtung entlang des Frieses spieget zunehmend Verinnerlichung und Erkenntnis. Auch farblich findet diese Entwicklung des geistigen Prinzips ihren Niederschlag: Die anfangs klaren, flächigen Kontraste in den drei Grundfarben lösen sich im Verlauf des Bilderbandes zunehmend auf: Bereits in Bild 6, das der Zeit der Propheten gewidmet ist, deuten sich durch die Melange von rot, blau und gelb im weißen Glas erste Visionen des Zukünftigen an. Im 10. Fenster tritt erstmals der Himmel in die Erde ein. Und im 14. Bild schließlich lösen sich die eindeutigen farblichen Trennungen vollends auf und die Grundfarben vermengen sich energiereich im Glas. Das Weiß, das die permanente Präsenz eines schöpferischen Prinzips symbolisiert, wird zunehmend dominant und veranschaulicht Verklärung und kosmische Umgestaltung: Es wandelt im Gang der Bild-Geschichte seine Substanz - mal durchsichtig und mal milchig, fast wie Schleier oder Nebelschwaden, ein andermal bricht es über eine kristalline Struktur das Licht. Vollkommen undurchsichtig wird das weiße Glas allerdings nie, stets illustriert es die Transparenz des schöpferischen Prinzips, stets hält es die Verbindung des Innenraums der Kirche zur Außenwelt aufrecht.

Die große Linie des Welt-, Lebens- und Glaubsstromes läßt sich auch stilistisch nachvollziehen: Was anfangs sehr einfach, fast naiv und gegenständlich darstellbar ist, wie die Gesetzestafel oder der Menora-Leuchter wird im Lauf der Geschichte zusehens komplexer. Das ist bereits in den Bildern 7 und 9 zu sehen, in denen Rainmar Senftleben die Trinität Vater, Sohn und Heiliger Geist als nebeneinanderliegende Kreise aus ähnlichen formalen Elementen aufbaut. Der Heilige Geist bleibt im Gegensatz zu Vater und Sohn geometrisch sehr abstrakt und symbolisiert mit der Welle das Wasser und die Taufe. Vater und Sohn tragen in sich die Aspekte des Heiligen Geistes. Der Vater wird nicht als maskuliner Gott dargestellt - er ist ein umfassender Gott, der sowohl männliche als auch weibliche Elemente enthält. Diese Vaterform dreht sich, öffnet sich nach unten und bildet im nächsten Bild den Kopf Jesu, übergehend in eine Figur mit Hals, Schultern und Armen auf der Horizontlinie: Jesus breitet in Himmel und die Erde die Arme aus, Vergangenes fließt in ihn hinein, über ihn hinweg, und Zukünftiges entsteht aus ihm. In der Brust Jusu komprimiert sich alles im tiefsten Punkt der Horizontlinie.

Im 10. Fenster deutet sich vollends eine Verdichtung an: Die farblichen Elemente der drei Kreise fallen in einem - vom Heiligen Geist umschlossenen - Rund zusammen. Dieser Dreifach-Kreis lagert auf der Horizontlinie, halb der Erde, halb dem Himmel zugehörig. Veränderung, Auflösung und Aufbruch deuten sich an: Erstmals taucht das Blau des Himmnels in der Erde auf, eine ansteigende Linie strebt in die Dreiecksform der Kreuzigung über Symmetrie im Aufbau und Komplementarität in der Farbigkeit herrschen bei der Kreuziguns-zene im Doppelfenster 11 und 12 vor. Der Fensterrahmen bildet den senkrechten Kreuzbalken für das Diptychon mit Fisch und Kreuz. Nach der Kreuzigung, in Fenster 13, ist das trinitarische Prinzip allgegenwärtig: Aus einem Drittel Kreis unter dem Horizont entspringen drei Srahlen, die den Himmel durchdringen und in den Schöpfergeist einschneiden. Immer deutlicher schreitet die Auflösung fort, immer klarer wird die Umstrukturierung. Die alles durchdringenden Strahlen werden reflektiert (Fenster 14) und vollenden sich in einem zentralen Prisma genau zwischen Himmel und Erde, in dessen Mitte eine winzige Halbkugel das Licht bricht und die drei Grundfarben noch einmal zusammenfaßt. Dieser Wendepunkt in Fenster 14 steht für die (Auf-) Lösung: Erde, Himmel und Licht, Vater, Sohn und Heiliger Geist werden eins, sie erscheinen fortan in der Fläche und stehen nach Tod und Transfiguration für das neue Jerusalem, die neue Welt, für Umgestaltung und für die Vision, Himmel und Erde im herkömmlichen Sinn existieren nicht mehr. Eine Schwingung, ein stetes Auf und Ab löst die Horizontlinie ab. Die Auflösung führt grundverschiedene Dinge zusammen: Himmel und Erde, Materie und Geist, Raum und Zeit, Anfang und Ende, Werden und Vergehen. Gott in Welt und Welt in Gott

(Gaby Weiß, Journalistin) 

 

 

 

 

Bild 2

Ursprung

Und Gott sprach: Es werde Licht. Und es ward Licht. (1.Mose 1,3)

Bild 3

Ägypten

Mein Vater war ein Aramäer, dem Umkommen nahe, und zog hinab nach Ägypten und war dort ein Fremdlich. (5. Mose 26,5)

Bild 4

Auszug

Du hast geleitet durch deine Barmherzigkeit dein Volk, das du erlöst hast, und hast sie geführt durch deine Stärke zu deiner heiligen Wohnung. (2. Mose 15,13)

Bild 5

Erster Bund

Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. (2. Mose 20,2 f.)

Bild 6

Verheißung

Siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken wird. (Jes. 65, 17)

Bilder 7 - 9

Trinität

Es sind verschiedene Gaben; aber es ist ein Geist. Und es sind verschiedene Ämter; aber es ist ein Herr. Und es sind verschiedene Kräfte; aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen. (1. Kor. 12,4-6)

Bild 10

Inkarnation

Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns. (Joh. 1,14)

Bilder 11 und 12

Kreuz

Es hat Gott wohlgefallen, dass in Christus alle Fülle wohnen sollte und er durch ihn alles mit sich versöhnte, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte durch sein Blut am Kreuz. (Kol. 1,19 f.)

Bild 13

Auferstehung

Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen. (1.Kor. 15,20)

Bilder 14 - 17

Nachfolge und Verwandlung

Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.  (Röm. 8,18). Siehe, ich mache alles neu. (Off. 21,5)

Bild 18

Ende und Anfang

Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende (Off. 22,13)

 

 

 

 

Biografie des Künstlers Reinmar Senftleben

 

1958               in Stuttgart geboren

1979/1980      Aufenthalt in Wien, Studium bei Prof. Ernst Degasperi

seit 1984        Mitglied der Künstlergruppe "Die Spirale"

 

  • Einzelausstellungen u.a. in Esslingen, Stuttgart, München, Wien Luxemburg, Paris
  • Werke im öffentlichen Besitz u.a. Staatsgalerie Stuttgart, Regierungspräsidium Stuttgart, Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie Baden-Württemberg, Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland in Luxemburg
  • Raum- und Freiinstallationen
  • Architektonische Projekte

 

Der Künstler Reinmar Senftleben ist am 28.10.2014 verstorben und wurde auf dem Pliensaufriedhof in Esslingen beigesetzt.